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Kolumne (Januar 2017)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

Wirtschaftsaussicht 2017

Mo 09.01.2017, 13:21 Uhr

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA war nach dem Ausgang des Brexit-Referendums die zweite große politische Überraschung im Jahr 2016. Das Entsetzen über den US-Wahlausgang wandelte sich innerhalb nur weniger Stunden in einen optimistischen Ausblick für die US-Wirtschaft – ablesbar unter anderem an den Kursen am US-Aktienmarkt, die in den frühen Morgenstunden des 9. Novembers zunächst noch mehr als 5,0 % an Wert verloren, um dann den Tag noch im Plus zu schließen. Der Optimismus gründet sich auf den Erwartungen sinkender Unternehmens- und Einkommensteuern, steigender Staatsausgaben für Infrastruktur und einer Deregulierung des Finanz- und Energiesektors. Wenn Donald Trump tatsächlich seine Versprechen einigermaßen einlösen und das Staatsdefizit in den kommenden Jahren merklich ausweiten sollte, könnte sich das Wachstum der US-Wirtschaft als eine Folge dessen 2017 bis auf 2,3 % und 2018 bis auf etwa 3,0 % beschleunigen – gegenüber einer Ausgangsprognose für beide Jahre von jeweils 2,0 %. Sowohl Deutschland als auch Japan dürften zu den größten Profiteuren eines stärkeren US-Wachstums gehören. Darüber hinaus dürfte Donald Trump schon kurz nach seinem Amtsantritt starken Druck auf Europa und Japan ausüben, ihre Militärausgaben merklich zu erhöhen, was statistisch zu einem höheren Wirtschaftswachstum in beiden Regionen führen würde.

Die große Unbekannte ist die zukünftige US-Handelspolitik. Im Wahlkampf sprach sich Donald Trump oft für umfassen-de protektionistische Schritte aus, die sogar ein Ende des seit dem Zweiten Weltkrieg etablierten Welthandelssystems und der Welthandelsorganisation implizieren könnten. Seit seinem Wahlsieg hat sich Donald Trump jedoch bislang mit Verlautbarungen zu diesem Thema zurückgehalten und keine größeren konkreten protektionistischen Maßnahmen angekündigt. Aufgrund der gegenwärtig guten Verfassung der US-Wirtschaft dürfte derzeit nur geringer Druck auf ihm lasten, die Handelsbarrieren signifikant zu erhöhen. Ein Blick in seine Biografie zeigt jedoch, dass er grundsätzlich schon immer protektionistische Maßnahmen befürwortet hat. Daher würden wohl erst im Falle eines US-Abschwungs die Risiken für größere protektionistische Schritte aus den USA steigen, die vor allem die exportintensiven Volkswirtschaften Japans und Deutschlands empfindlich treffen könnten.

Gerhard Wiesheu
Partner,  Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA
Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
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