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Kolumne (Oktober 2015)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

Dieser Artikel erschien ursprünglich in den DJW News 4/2015.

So 04.10.2015, 12:03 Uhr

Eine Zwischenbilanz von Abenomics nach mehr als zwei Jahren zeigt viel Licht, aber auch Schatten. So ist es der japanischen Regierung bisher nicht gelungen, das Wirtschaftswachstum nennenswert zu beschleunigen, das seit 2000 mehr oder weniger stabil um einen Wert von 0,8 % pro Jahr schwankt. Gleichzeitig hat es bisher noch keine Fortschritte bei den geplanten Arbeitsmarktreformen ge­geben, die eine japanische Variante der deutschen Agenda 2010 hätten werden sollen. Immerhin ist die Inflation seit dem Amtsantritt von Shinzo Abe auf ein Durchschnitts­niveau von etwa 1,4 % gesprungen, was sich signifikant von der zuvor moderaten Deflation von durchschnittlich etwa -0,3 % zwischen 2000 und Ende 2012 unterscheidet. Auf der Erfolgsseite kann Ministerpräsident Abe trotz der bislang fehlenden Arbeitsmarktreformen verbuchen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt merklich verbessert hat. So sind seit seinem Amtsantritt mehr als 1,2 Mio. neue Jobs geschaffen worden – und auf jeden Bewerber kommen im Durchschnitt nunmehr knapp 1,2 offene Stellen. Ein weiterer Erfolg von Abenomics sind die seit Ende 2012 um mehr als 40 % gestiegenen Unternehmensgewinne. In der Regel erhöhen rentable Unternehmen die Investitionsausgaben, schaffen dadurch Arbeitsplätze und bringen somit einen selbsttragenden Aufschwung in Gang. Leider zeigen sich die japanischen Unternehmen immer noch sehr zurückhaltend in puncto Investitionen. Einen Großteil der Gewinne behalten die Unternehmen als Cash ein, anstatt ihn für höhere Löhne oder Investitionen zu verwenden. Dieses Verhalten könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Deflationspsychologie immer noch nicht vollständig überwunden worden ist. Wahrscheinlich wird es einfach noch einige Zeit brauchen, bis die Unternehmen Vertrauen in Abenomics gewinnen und zunehmend bereit sind, höhere Löhne zu zahlen und die Investitionsausgaben zu erhöhen. Die zahlreichen Reformen außerhalb des Arbeitsmarktes, die steigende Zahl an Freihandelsabkommen und eine anhaltend lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank bilden dabei eine gute Grundlage für ein baldiges nachhaltiges Umdenken – und damit für die Chance eines kräftigen selbsttragenden Konjunkturaufschwungs in Japan.

Gerhard Wiesheu
Partner,  Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA
Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
Partner, Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA
Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
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