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Volker Stanzel: Newspeak and Newthink: China’s "Rejuvenation" of its Memor

Neue Publikation unseres Vorstandsmitglieds Dr. Volker Stanzel

Neuigkeiten aus dem DJW Vorstand

Mo 15.06.2026, 09:05 Uhr

Volker Stanzel: Newspeak and Newthink: China’s „Rejuvenation“ of its Memory
250 Seiten, World Scientific Publishing Company, Singapur

Wie stellt eine Nation ihre Vergangenheit dar, um damit ihre Zukunft neu zu gestalten? Das Buch *Newspeak and Newthink* liefert Einblicke in den Wandel der innen- und außenpolitischen Strategien der KPCh. Beispielsweise ist die Umformung historischer Narrative zur Wiederbelebung der Erinnerung an Japans Krieg gegen China und die vielen damit verbundenen Untaten heute wohletabliertes Werkzeug im Alltag der Außenpolitik Chinas beim Umgang mit seinem Nachbarn. Sie ist ein Beispiel dafür, wie die historische Imagination zu einem Instrument in der Hand der Führer einer der einflussreichsten Mächte der Welt geworden ist. Die japanische Premierministerin ist damit bereits durch Monate konfrontiert. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Versuch, zu verstehen, inwieweit ein patriotisch gefärbtes Bild der Vergangenheit nicht nur dem Selbstverständnis von Partei und Staat, sondern auch ihren Bestrebungen auf der weltpolitischen Bühne Dynamik und Durchsetzungskraft verleihen.

Das Buch geht jedoch über die Außenpolitik Chinas hinaus. Es untersucht, wie die Kommunistische Partei Chinas Mythenbildung als ein „bewusstes“ Unterfangen betreibt – ein Ehrgeiz, der seinen Ursprung bei Platon hat –, im Gegensatz zu einem „unbewussten“ Phänomen, das möglicherweise bereits mit der Entstehung der Sprache selbst einherging. Sowohl Platon als auch die heutigen chinesischen Führungspersönlichkeiten streben danach, die Gesellschaft mithilfe von Mythen zu manipulieren, um eine Gesellschaft zu erschaffen, die ihrem Ideal entspricht – oder diesem zumindest entsprechen „sollte“. So definiert sie die nationale Identität neu und festigt ihre eigene politische Legitimität. Durch patriotische Erziehung, kuratierte Ausstellungen, Schulbücher, Fernsehdokumentationen und Filme entwirft der Staat ein selektives Bild der Vergangenheit, um seine Vision einer nationalen „Wiederbelebung“ und eines globalen Wiederaufstiegs zu stützen.

Das Buch zeichnet solche Bestrebungen von der antiken konfuzianischen Geschichtsschreibung bis hin zu den Umbrüchen durch den westlichen Imperialismus, die kommunistische Revolution und die Ära nach dem Tiananmen-Massaker nach. Es analysiert, wie Erinnerung im heutigen China produziert, mythologisiert vermittelt und ritualisiert wird, und stützt sich dabei auf die Theorie des kulturellen Gedächtnisses sowie auf eine Fülle konkreter Beispiele aus der Praxis. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, wie offizielle Narrative in Institutionen wie Museen, Klassenzimmern und bei öffentlichen Gedenkveranstaltungen inszeniert werden. Durch seine klare und verständliche Untersuchung von Chinas sich wandelndem Verhältnis zur eigenen Vergangenheit liefert *Newspeak and Newthink* entscheidende Einblicke in die ideologischen Grundlagen der innen- und außenpolitischen Strategien der KPCh. Es ist eine wesentliche Lektüre für alle, die die neue Weltmacht China mit all den Facetten ihrer Politik verstehen wollen.

Dr. Volker Stanzel Dr. Volker Stanzel

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