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UNIQLO: "Für LifeWear bringen wir Kunst und Wissenschaft zusammen."

Interview aus der J-BIG-April-Ausgabe von Björn Eichstädt und Nina Blagojevic

Artikel unseres Fördermitglieds Storymaker GmbH

Do 19.05.2022, 12:57 Uhr

UNIQLO hat sich in den letzten Jahren zu einer der führenden Bekleidungsmarken der Welt gemausert. Das japanische Unternehmen entwickelt und vertreibt Kleidung, die Hightech-Funktionalität und schlichte Schönheit vereint. Ein Konzept, das auf der ganzen Welt Anklang findet. Auch in Deutschland, wie wir in unserem Interview mit Yamato Kuwahara, COO von UNIQLO Deutschland, in der Berliner Zentrale des Unternehmens herausgefunden haben. Eine Reise in die Geschichte und die deutsche Strategie einer der bekanntesten japanischen Verbrauchermarken der Gegenwart.

J-BIG: Vielen Dank für Ihre Zeit! Was können Sie uns über die Gründungstage und die Ideen hinter UNIQLO erzählen?

Yamato Kuwahara: Wie Sie vielleicht wissen, wurde UNIQLO im Jahr 1984 von Tadashi Yanai gegründet. Herr Yanai wollte, dass die Kunden Kleidung genauso einfach kaufen können wie Bücher in der Buchhandlung – ohne auf einen Berater im Laden angewiesen zu sein. Auf diese Idee kam er, als er eine Universitäts-Co-op in den USA besuchte, die auf diese Weise arbeitete. Er war sofort überzeugt, dass er dies selbst ausprobieren wollte, und so eröffnete er 1984 den ersten Laden in Hiroshima. Später weitete er sowohl das ursprüngliche Ladenkonzept als auch die Marke UNIQLO erfolgreich auf andere Standorte aus, zunächst in Japan. Im Jahr 2012 entwickelte er schließlich das LifeWear-Konzept. Der Kern des Konzepts war schon seit den Anfängen der Marke vorhanden und bestimmt noch immer die Art und Weise, wie wir Kleidung entwerfen und wie wir zusammenarbeiten und unsere Geschäfte führen. Die Absicht war und ist es, das Leben der Menschen in der realen Welt zu verbessern. Dies ist unsere grundlegende Philosophie und die Basis für alles, was wir tun, auch auf den internationalen Märkten.

J-BIG: Zumindest auf den ersten Blick gibt es in Europa einige Konkurrenten, vor allem im so genannten „Fast Fashion“-Sektor, die ein ähnliches Konzept zu haben scheinen. Auch bei H&M oder Zara braucht man zum Beispiel wenig Kundenservice. Was hebt UNIQLO von diesen Konkurrenten ab?

Yamato Kuwahara: Ich denke, dass der Markt und die Kunden UNIQLO manchmal missverstehen. Wir betrachten uns nicht als Fast-Fashion-Unternehmen. Wie ich bereits erwähnt habe, stützen wir uns auf das LifeWear-Konzept. Dieses ist stark von der japanischen Kultur inspiriert: Wir legen Wert auf Qualität, Innovation, Langlebigkeit und Einfachheit. Wir orientieren uns nicht an aktuellen Trends, wie die genannten Unternehmen, sondern versuchen, ein zeitloses Design zu entwerfen. Etwas, das man jederzeit und unabhängig vom Geschlecht tragen kann. Wir glauben, dass dies ein sehr einzigartiges Konzept ist, das dazu beitragen kann, das Leben unserer Kunden nachhaltig zu verbessern.

J-BIG: Erzählen Sie uns ein wenig über den ersten Laden. Warum wurde er in Hiroshima eröffnet?

Yamato Kuwahara: Hiroshima ist die nächste größere Stadt in der Nähe von Tadashi Yanais Heimatstadt in der Präfektur Yamaguchi. Vielleicht hat er sich deshalb entschieden, dort anzufangen. Ich nehme an, dass Tokyo sowohl zu weit weg als auch zu groß war, so dass es viel schwieriger gewesen wäre, dort einen ersten starken Eindruck zu hinterlassen.

Eigentlich hieß das erste Geschäft „Unique Clothing Warehouse“ – ein Name, der später in UNIQLO verkürzt wurde. Der ursprüngliche Name beschreibt auch genau, wie das erste Geschäft aussah: Es war sehr einzigartig, da es wie ein Lagerhaus wirkte. Auf diese Weise konnte man alle Farben, Größen und Preise auf den ersten Blick sehen, und das war es, was Herr Yanai erreichen wollte – es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen, sich im Laden zurechtzufinden und sofort das richtige Kleidungsstück zu finden.

J-BIG: Wurden die Kleidungsstücke, die Sie in diesem ersten Laden verkauften, von der Firma selbst in Auftrag gegeben oder hergestellt? Oder haben Sie ursprünglich Kleidung von anderen Marken verkauft?

Yamato Kuwahara: Ursprünglich haben wir nicht alles selbst hergestellt. Aber Schritt für Schritt, basierend auf den Bedürfnissen unserer Kunden, kam Herr Yanai zu dem Schluss, dass es besser wäre, die Kleidung selbst zu produzieren, sowohl um direkt auf die Kundenwünsche reagieren zu können als auch um den Prozess und den Preis kontrollieren zu können. Ich denke, einer der Wendepunkte in Bezug auf die Expansion in Japan war die Einführung der Marke in Tokyo. Das war 1998 in dem sehr trendigen Tokyoter Stadtteil Harajuku. Und zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits den Großteil unserer Artikel selbst hergestellt.

J-BIG: Wie ist UNIQLO heute weltweit aufgestellt? Auf welchen Märkten sind Sie aktiv und wie viele Menschen arbeiten für das Unternehmen?

Yamato Kuwahara: Heute sind wir in 25 Märkten, einschließlich Japan, vertreten und haben weltweit mehr als 2.300 Geschäfte. Für Fast Retailing, die Muttergesellschaft von UNIQLO, arbeiten weltweit 120.000 Menschen. Was die Anzahl der Geschäfte betrifft, so ist Japan mit mehr als 800 Geschäften unser größter Markt, dicht gefolgt von China. Ansonsten sind die wichtigsten Märkte Europa, die USA und Südostasien.

J-BIG: Wann haben Sie Ihre ersten Schritte außerhalb Japans gemacht?

Yamato Kuwahara: Das war, als wir 2001 unser Geschäft in London eröffneten.

J-BIG: Warum wurde eine europäische Metropole als erster internationaler Standort gewählt?

Yamato Kuwahara: Herr Yanai war sich sicher, dass es absolut wichtig war, so schnell wie möglich auf dem internationalen Parkett Erfolg zu haben. London ist natürlich in Europa und darüber hinaus als Mode-Hotspot bekannt. Deshalb haben wir diese Stadt als unseren ersten internationalen Standort gewählt. Leider war dieser Start nicht sehr erfolgreich. Wir haben viel zu schnell in weitere Standorte expandiert, ohne die Nachfrage der Kunden wirklich zu berücksichtigen. Am Ende mussten wir die Zahl der Filialen wieder reduzieren. Wir haben daraus gelernt, dass wir, auch wenn wir glauben, dass unser Konzept stark ist, überlegen müssen, wie es zu den lokalen Märkten passt.

J-BIG: Wann sind Sie zum ersten Mal nach Deutschland gekommen?

Yamato Kuwahara: Unsere erste Filiale in Deutschland eröffnete 2014 in Berlin in der Tauentzienstraße. Sie ist immer noch unser Flagship-Store ist. Danach haben wir Schritt für Schritt expandiert, und jetzt haben wir 10 Stores in Deutschland: Sechs in Berlin und je einen Store in Stuttgart, Köln, Düsseldorf und seit kurzem auch in Hamburg.

J-BIG: Sie haben also in Berlin angefangen, der größten Stadt Deutschlands und der Hauptstadt, das ist leicht nachzuvollziehen. Aber Stuttgart scheint nicht unbedingt die naheliegendste Wahl für einen zweiten Standort zu sein. Nach welchen Gesichtspunkten entscheiden Sie, ob Sie einen Laden in einer neuen Stadt eröffnen?

Yamato Kuwahara: Deutschland unterscheidet sich sehr von anderen großen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Frankreich. Diese sind sehr zentralisiert – in England gibt es London, in Frankreich Paris, und das sind die klaren Zentren. In Deutschland hingegen gibt es viele größere oder mittelgroße Städte. Das ist eigentlich ganz ähnlich wie in Japan. Dort gibt es auch nicht nur Tokyo, sondern auch Hiroshima, Sapporo, Osaka und andere. Ehrlich gesagt, war Stuttgart die zweite Stadt, weil wir dort einen guten Standort gefunden haben. Wir wussten ohnehin, dass wir irgendwann dorthin gehen wollten, und manchmal ist es einfach nur gutes Timing.

J-BIG: Die letzten 20 Jahre waren also beeindruckend, wenn man die internationale Expansion von UNIQLO betrachtet. Sie selbst sind seit 20 Jahren im Unternehmen. Können Sie uns ein wenig über Ihren Weg bei UNIQLO erzählen?

Yamato Kuwahara: Ich begann meine Tätigkeit bei UNIQLO als Teilzeit-Verkaufsberater, als ich noch Student war. Zu dieser Zeit wuchs UNIQLO schnell, und ich war von dem Unternehmen sehr beeindruckt. Ich beschloss, gleich nach meinem Abschluss in Vollzeit einzusteigen. Ich begann als Filialleiter und wurde später Gebietsleiter und war zunächst für sieben Filialen verantwortlich. Danach arbeitete ich sechs Jahre lang in der Merchandising-Abteilung in der Zentrale, die im Wesentlichen für das Produkt-Branding zuständig war. Mit diesem Wissen und Hintergrund wollte ich in die Filiale zurückkehren und die Kundenerfahrung dort noch besser machen. Nach etwa vier Jahren in unserem Stammhaus und als Regionalmanager in Japan wurde mir klar, dass mir noch internationale Erfahrung fehlte, und so wechselte ich in die Region Europa, denn wie bereits erwähnt, ist der Erfolg in Europa in der Modebranche wichtig. Ich wurde Deutschland zugeteilt, worüber ich sehr froh war. Ich habe hier zunächst in einem Geschäft angefangen und bin jetzt als COO für den deutschen Markt tätig.

J-BIG: Sie sind also vom Hauptsitz nach Europa gekommen. Die meisten japanischen Unternehmen haben irgendeine Art von Austauschprogramm im Unternehmen, wie z.B. Expatriate-Programme. Wie ist die Rolle der japanischen Mitarbeiter, die ursprünglich aus der Zentrale kommen und auf dem ausländischen Markt arbeiten?

Yamato Kuwahara: Besonders wenn wir ein neues Geschäft in einem neuen Land eröffnen, ist es sehr wichtig, jemanden zu haben, der sicherstellt, dass das globale Konzept – Ideen wie LifeWear – richtig präsentiert wird. Es ist nicht so wichtig, ob es sich dabei um einen Japaner oder einen Einheimischen handelt, wichtig ist, dass wir eine Person vor Ort haben, die die UNIQLO DNA in jeden Markt einbringen kann. Da wir auf der internationalen Bühne noch recht jung sind, ist diese Person in den meisten Fällen jemand aus der Zentrale in Japan. In Zukunft könnte sich das ändern, wenn die Menschen vor Ort beim Unternehmen bleiben und die UNIQLO Kultur verinnerlichen. Im Moment ist die Mehrheit des lokalen Top-Managements also noch japanisch, aber das ist kein Muss für die Zukunft.

Der andere Punkt betrifft den Austausch zwischen dem Headquarter und den lokalen Märkten im Ausland. Es sollte eine gute Verbindung in beide Richtungen bestehen. Und um zusammenarbeiten zu können, ist es entscheidend, sich gegenseitig zu verstehen. Deshalb haben wir Programme aufgelegt, die nicht nur japanische Mitarbeiter nach Europa bringen, sondern auch andersherum. Als globales Unternehmen ist dies ein sehr wichtiger Ansatz für uns.

J-BIG: Wie halten Sie Ihre Mode auf dem neuesten Stand und stellen sicher, dass Sie auf lokale Kundenwünsche eingehen?

Yamato Kuwahara: Bei unserem LifeWear-Konzept geht es immer darum, Kunst und Wissenschaft zusammenzubringen. Mit Wissenschaft und unseren innovativen Technologien versuchen wir, dass sich unsere Kunden wohlfühlen. Dieser Aspekt ist sehr wichtig. Aber wir brauchen auch Kunst oder Schönheit. Die Kunden wollen zum Beispiel immer wieder eine neue Farbe haben. Auch wenn das Hauptprodukt das gleiche bleibt, arbeiten wir natürlich im Laufe der Zeit an neuen Farbvarianten. In diesem Sinne betrachten wir also Trends und folgen ihnen bis zu einem gewissen Grad. Wir überlegen uns aber immer recht genau, ob etwas Neues nur eine vorübergehende Modeerscheinung ist oder ob es das Potenzial hat, sich über einen längeren Zeitraum zu halten. Von Ersterem halten wir uns in der Regel fern. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es bei Mode auch darum geht, Spaß zu haben und sich auszudrücken. Jedes unserer Produkte sollte sowohl funktional als auch schön sein. Das ist die Essenz unseres Ansatzes.

J-BIG: Sie erwähnten den Einsatz von innovativen Technologien in Ihren Produkten. Können Sie einige Beispiele nennen?

Yamato Kuwahara: Ein gutes Beispiel dafür ist HEATTECH, eine unserer charakteristischen Technologien, die das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem japanischen Materialtechnologieunternehmen Toray Industries ist. Es handelt sich um einen sehr dünnen Stoff, der den Träger dennoch warm hält. Das gibt den Kunden mehr Freiheit bei der Wahl ihres Outfits: Sie können auch im Winter modisch attraktiv sein und gleichzeitig ihren Körper warm halten. Wir haben mit Unterbekleidung angefangen, aber wir bieten jetzt auch HEATTECH-Fleecejacken an, die in der letzten Saison sehr beliebt waren. Auch hier kombinieren wir Wärme mit modischem Ausdruck. Ich denke, diese Eigenschaften in unseren Produkten zu kombinieren, ist eine unserer größten Stärken. Ein anderes gutes Beispiel ist AIRism, ein weiteres unserer Funktionsmaterialien, das wir gemeinsam mit Toray entwickelt haben. Während HEATTECH wärmt, hält AIRism den Träger kühl und erfrischt. In Japan wird das Material hauptsächlich für Unterbekleidung verwendet, vor allem in Kombination mit Business-Outfits. Einige skandinavische Länder haben jedoch begonnen, AIRism auf eine andere Art und Weise zu verwenden, nämlich als Pyjama und Loungewear. Das war ursprünglich nicht im Konzept vorgesehen, aber wir dachten, dass dies ein sehr guter Ansatz sein könnte, also gaben wir der Zentrale dieses Feedback aus Europa: Um das Material in Europa zu vermitteln, sollten wir nicht nur Bilder mit Menschen in Geschäftskleidung verwenden. Diese Art von Feedback-Schleifen mit der Zentrale finden jede Woche statt, und wir sind überzeugt, dass das ein wichtiger Weg ist.

J-BIG: HEATTECH oder AIRism scheinen wie Plattformen zu funktionieren: Sie haben ein Konzept, auf dessen Grundlage sie verschiedene Produkte herstellen. Glauben Sie, dass dies für den E-Commerce von Vorteil ist, denn wenn die Leute verstehen, dass Sie diese Produktlinien von Kleidung haben und wissen, wie sie sich anfühlen und funktionieren, brauchen sie nicht bei jedem Kauf die Erfahrung im Laden?

Yamato Kuwahara: Ja, ich denke, das ist ein wirklich wichtiger Punkt für die Kunden. Wenn sie die Vorteile einer bestimmten Technologie erst einmal verstanden und aus erster Hand erlebt haben, werden sie eher wiederkommen, um mehr zu kaufen. Loyale Kunden sind sehr wertvoll, aber der Aufbau dieses anfänglichen Vertrauens braucht einige Zeit. Deshalb halte ich es für so wichtig, unsere Kerntechnologien zu erklären und dafür zu sorgen, dass sie bekannt sind.

J-BIG: Sehen Sie, dass in Ländern, in denen der Winter sehr kalt ist, ein Produkt wie HEATTECH viel erfolgreicher ist als AIRism und umgekehrt?

Yamato Kuwahara: Das ist ein sehr interessanter Punkt, denn der gesunde Menschenverstand würde davon ausgehen, dass genau das stets der Fall sein sollte. Aber manchmal ist es anders. Ein Beispiel ist Südostasien. HEATTECH verkauft sich dort sehr gut, und wir haben versucht zu verstehen, warum. Es stellte sich heraus, dass ein Grund dafür ist, dass die Büros dort sehr kalt sind, weil sie sehr stark klimatisiert werden. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, welche Vorteile die Kunden in der jeweiligen Region ansprechen, und dann das Produkt entsprechend zu erklären.

J-BIG: Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Yamato Kuwahara: Es war sicherlich eine schwierige Zeit für uns als Unternehmen. Aber natürlich lieben wir bei UNIQLO Herausforderungen, daher versuchen wir immer, auch in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben. Wir haben also versucht, Möglichkeiten zu finden, und wie für viele Einzelhändler war die Antwort der elektronische Handel. Wir haben viele Wege gefunden, um unser Online-Geschäft zu verbessern und die Entwicklung zu beschleunigen. Wir haben festgestellt, dass wir, wenn wir im E-Commerce-Segment erfolgreich sind, jeden Kunden überall und jederzeit erreichen können.

Aber wir wurden auch in unserer Überzeugung bestärkt, dass die Kunden immer noch einen echten Kontaktpunkt brauchen. Die Menschen wollten die Produkte wirklich weiterhin vor Ort erleben, und nachdem die erste Schließung vorbei war, kamen viele Kunden zurück in die Läden. Das war ein großartiger Moment, sowohl für die Kunden als auch für unsere Mitarbeiter, die sehr hart gearbeitet hatten, um diese Rückkehr zu ermöglichen. Die Kombination von stationären Geschäften und E-Commerce ist also ein großer Vorteil. Im Vergleich zu vor ein paar Jahren hat sich die Einstellung der Deutschen zum Online-Shopping stark verändert. Das gibt uns ein bisschen mehr Zeit, um in jeder Stadt den besten Standort für den Kunden zu finden – wir müssen uns nicht beeilen.

Wenn es um Veränderungen oder Verbesserungen im Ladengeschäft geht, wird es immer wichtiger, die richtigen Unternehmensinformationen in den Laden zu bringen. In der Vergangenheit bestand der Hauptzweck des Geschäfts darin, das Produkt zum Kunden zu bringen. Jetzt können sich die Menschen auf der Website leicht über unsere Produkte und Technologien informieren, aber diejenigen, die in den Laden gehen, haben nicht denselben Zugang. Deshalb versuchen wir inzwischen, so viel wie möglich über unsere Kernprodukte auch in den Geschäften zu erklären. Hier gibt es noch viel Raum für Verbesserungen, aber das ist ein sehr wichtiger Ansatz für uns.

Wir sind von der Bedeutung der Kundenerfahrung und -information für unser künftiges Business so überzeugt, dass wir beschlossen haben, noch mehr in die Ausbildung und Entwicklung unserer Mitarbeiter zu investieren. Die Corona-Phase brachte also viele neue Ansätze für UNIQLO.

J-BIG: Können Sie uns eine ungefähre Vorstellung davon geben, wie viel von Ihrem Geschäft in Deutschland durch E-Commerce und wie viel durch physische Läden generiert wird?

Yamato Kuwahara: Ich kann Ihnen sagen, dass wir in Europa insgesamt einen E-Commerce-Anteil von etwa 30 Prozent haben. Natürlich hängt diese Zahl von der Anzahl der Geschäfte in jedem Land ab, und wir müssen immer darauf achten, ein gutes Gleichgewicht zwischen physischem und digitalem Einkauf zu halten. In Deutschland hoffen wir jedoch, in beiden Bereichen zu expandieren.

J-BIG: UNIQLO ist bekannt für seine Kooperationen mit Künstlern, Designern und anderen Marken. Wie kommen diese zustande? Wie entscheiden Sie zum Beispiel, welche Figuren Sie für T-Shirts oder andere Kleidungsstücke lizenzieren?

Yamato Kuwahara: Diese Entscheidungen werden normalerweise von der Zentrale in Japan getroffen. Wir machen keine regionalen Produkte, weil wir ein globales Unternehmen sind, und wir denken, dass unser Konzept auch ein globales ist. Wir sind der Meinung, dass ein Produkt, das in einer bestimmten Region sehr beliebt ist, in der Regel auch das Potenzial hat, sich weltweit durchzusetzen. Wenn wir zum Beispiel über bestimmte Figuren sprechen, gibt es natürlich große Unterschiede in der Menge, die wir verkaufen, weil die Nachfrage unterschiedlich ist. Wir entscheiden uns jedoch für die Lizenzierung einer Figur, wenn wir glauben, dass sie in jeder Region akzeptiert werden kann.

Der Grund, warum wir viele japanische Themen und Figuren auswählen, ist natürlich, dass wir stolz darauf sind, ein japanisches Unternehmen zu sein, und dass wir einige dieser beliebten Charaktere auch in den Rest der Welt bringen wollen. Aber das wirklich Interessante ist, dass selbst wenn wir denken, dass etwas in Europa nicht bekannt ist, sich das sehr schnell ändern kann. Nehmen wir zum Beispiel „Demon Slayer“, ein Manga- und Anime-Charakter, der in Japan im Jahr 2020 sehr beliebt war. Als wir im selben Jahr unseren Hamburger Laden eröffneten, waren die T-Shirts zu diesem Franchise sehr beliebt – jeder wollte unsere „Demon Slayer“-Artikel in die Finger bekommen. Manchmal ist die Nachfrage der Leute viel schneller als wir erwartet haben. Deshalb versuchen wir, so global wie möglich zu starten. Manchmal können wir das Potenzial nicht einschätzen und erleben unerwartete Überraschungen. Dann geben wir der Zentrale ein Feedback, und sie sagen vielleicht: „Wenn das erfolgreich war, wird etwas Ähnliches vielleicht auch funktionieren“. So tauschen wir uns aus. 

Wir haben außerdem fünf Forschungs- und Designzentren auf der ganzen Welt. Eines ist natürlich in Tokyo, und wir haben eines in New York, eines in L.A., eines in Paris und eines in Shanghai. Und sie erforschen auch immer, was für den weltweiten Markt interessant sein könnte. Wir erhalten auch ihren Input.

J-BIG: Was sehen Sie in Deutschland anders als in anderen Märkten?

Yamato Kuwahara: Da gibt es zwei Aspekte. Was die Beliebtheit von Oberbekleidung angeht, so sind ultraleichte Daunen und andere natürliche Stoffe sehr begehrt. Außerdem scheinen die Deutschen klare Mode gegenüber sehr legeren Stilen zu bevorzugen. Dieser Trend ist auf dem europäischen Markt ähnlich, aber der Zeitpunkt, zu dem der Umsatz steigt, ist aufgrund der Temperaturen unterschiedlich. Dies ist also ein Aspekt. Der zweite Aspekt hängt mit dem LifeWear-Konzept zusammen. Wie ich bereits erwähnt habe, geht es bei LifeWear um innovative Funktionalität und hohe Qualität, und ich glaube, dass die Deutschen diese Art von Ansatz wirklich mögen. Nehmen Sie zum Beispiel HEATTECH: In Japan kennen das wahrscheinlich 99 Prozent der Menschen. Meine Mutter besitzt etwa 20 Kleidungsstücke von HEATTECH. Im Vergleich dazu ist Europa immer noch ein sehr junger Markt. Aber innerhalb des Kontinents ist Deutschland ganz vorne dabei, diese Funktionalität zu verstehen. Die Leute stellen viele Fragen und sind wirklich daran interessiert, warum sie dieses Produkt kaufen sollten. UNIQLO und der deutsche Markt passen wirklich gut zusammen.

J-BIG: Es ist ein Klischee, dass die Deutschen ingenieurmäßig denken und nicht wirklich „modisch“. Bedeutet das, dass Ihr Ansatz mit innovativen Materialien und technischen Fasern für Sie auf dem deutschen Markt ein Vorteil ist?

Yamato Kuwahara: Ich glaube schon. Die deutschen Kunden wollen wirklich verstehen, warum sie dieses Produkt brauchen oder warum sie diese Marke wählen sollten. Die Funktionalität unserer Kleidung und der Komfort, den sie dem Träger bietet, sind hier starke Argumente. Ich denke also, dass dies ein klarer Vorteil für den deutschen Kunden ist. Ich glaube aber nicht, dass der hiesige Kunde keinen Sinn für Mode hat – verkaufen Sie sich nicht unter Wert! Modisch oder attraktiv gekleidet zu sein, ist etwas, das für jeden wichtig ist. „Praktische Schönheit“ ist hier der Schlüsselbegriff, und das ist auch ein Konzept, das wir bei der Eröffnung des Hamburger Ladens verfolgt haben.

J-BIG: Sehen Sie weitere kulturelle Übereinstimmungen zwischen der japanischen und der deutschen Mentalität?

Yamato Kuwahara: Ja, in der Tat. Deutschland und Japan haben viele Gemeinsamkeiten. Beide schätzen innovative Produkte, aber auch Langlebigkeit und Handwerkskunst. Diese Art von Mentalität ist sowohl in Deutschland als auch in Japan weit verbreitet. Auch der Arbeitsstil: Im Allgemeinen ist dieser in Japan und Europa völlig unterschiedlich. Aber als ich nach Deutschland kam, fiel es mir recht leicht, mich anzupassen, weil die Menschen sehr ähnlich darüber denken, wie man richtig arbeitet. Viele Dinge sind sehr ähnlich. Deutschland und UNIQLO passen eindeutig sehr gut zusammen – auch in Zukunft.


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Yamato Kuwahara, COO von UNIQLO Deutschland, vor dem Flagship-Store in der Berliner Tauentzienstraße. / Fotostrecke: Axel Kammann / ユニクロドイツのCOOを務める桑原大和氏、ベルリンのタウエンツィエン通りにある旗艦店の前にて / 写真:Axel Kammann Yamato Kuwahara, COO von UNIQLO Deutschland, vor dem Flagship-Store in der Berliner Tauentzienstraße. / Fotostrecke: Axel Kammann / ユニクロドイツのCOOを務める桑原大和氏、ベルリンのタウエンツィエン通りにある旗艦店の前にて / 写真:Axel Kammann
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