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Kolumne (September 2026)

Gerhard Wiesheu, DJW Vorstandsvorsitzender

Wirtschaftliche Sicherheit zwischen Lieferketten und Kapital

Do 10.09.2026, 14:03 Uhr

Über wirtschaftliche Sicherheit ist zuletzt viel diskutiert worden. Inzwischen ist daraus ein eigenes Politikfeld geworden, in Tokio ebenso wie in Brüssel und Berlin. Es reicht nicht mehr, sich auf gemeinsame Werte zu berufen. Entscheidend ist ebenso, wie Industrienationen die Branchen absichern, von denen ihre wirtschaftliche Zukunft abhängt.

Hier kommt es auf zwei Hebel an. Zum einen wären da die Lieferketten, über die Industrien ihre Waren und Dienstleistungen liefern, zum anderen das Kapital, das sie langfristig finanziert.

Lieferketten sind zur strategischen Frage geworden

Lange galten Lieferketten als reines Effizienzthema. Wer in der Vergangenheit günstig und verlässlich einkaufte, hatte einen Wettbewerbsvorteil. Diese Logik gilt weiterhin, reicht aber nicht mehr aus. Bei Halbleitern, kritischen Rohstoffen und einer Reihe von Vorprodukten entscheidet heute umso mehr, wie verwundbar eine Volkswirtschaft gegenüber einzelnen Lieferanten oder Weltregionen ist.

Deutschland und Japan teilen hier eine Gemeinsamkeit. Beide sind exportstark und rohstoffarm und sind entsprechend von schwer ersetzbaren Vorleistungen abhängig. Genau diese gemeinsame Ausgangslage führt zu einer stärkeren Zusammenarbeit. Diversifizierung und gemeinsame Standards wirken besser, wenn zwei verlässliche Partner sie zusammen angehen.

Strategische Industrien brauchen langfristiges Kapital

Der zweite Hebel ist in der öffentlichen Debatte weniger präsent, entscheidet aber maßgeblich über den Erfolg. Halbleiterfertigung, Batterien, neue Technologien und kritische Infrastruktur binden viel Kapital, das sich erst nach langer Zeit rechnet. Staaten können Rahmen und Anreize setzen, doch das notwendige Kapital lässt sich aus deren Haushalten allein nicht aufbringen. Ein großer Teil muss von privaten oder institutionellen Investoren kommen – über funktionierende Kapitalmärkte.

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die zu Deutschland und Japan gut passt: Wie lenkt man langfristig orientiertes Kapital in strategische Industrien, ohne Märkte zu verzerren?

Sicherheit, die offen bleibt

So wichtig die Absicherung von Volkswirtschaften ist, sie dürfen sich nicht abschotten. Wirtschaftliche Sicherheit, die zu Protektionismus führt, würde genau die Stärke untergraben, auf der der Wohlstand beider Länder beruht. Als Wertepartner können Deutschland und Japan zeigen, dass sich Resilienz und Offenheit vereinbaren lassen. Das ist heutzutage anspruchsvoll und verlangt Vertrauen, das über Jahrzehnte zwischen beiden Ländern gewachsen ist.

Genau hier setzt unser Symposium am 19. November 2026 in Tokyo an. Es bringt zwei Perspektiven zusammen, die sonst meist getrennt verhandelt werden, aber zusammen gedacht werden müssen: die der Lieferketten und die der Finanzierung.

Das Symposium schafft dafür den Raum und stellt die Fragen, die sich Deutschland und Japan in den kommenden Jahren gemeinsam beantworten müssen.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
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