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Kolumne (November 2021)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

Herausforderung Klimawandel

Do 11.11.2021, 09:25 Uhr

Von G-20 zum Klimagipfel – Einigung auf wichtige Leitlinien

In den vergangenen Wochen waren alle Augen auf Schottland gerichtet – genauer gesagt auf den Klimagipfel in Glasgow. Nach den enttäuschenden Verlautbarungen im Abschlusskommuniqué der G-20-Staaten auf ihrer Zusammenkunft Ende Oktober in Rom ruhten alle Hoffnungen in Sachen Klimaschutz auf der Weltklimakonferenz. Und in der Tat ist zwar nicht der große Wurf gelungen, aber die rund 200 Staaten haben sich in ihrer Abschlusserklärung immerhin auf wichtige Leitlinien geeinigt – um doch noch das Ziel zu erreichen, bis 2050 die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 °C zu begrenzen: Jenseits der unverbindlichen Fernziele zur Klimaneutralität werden darin von den einzelnen Ländern konkrete Schritte schon in diesem Jahrzehnt eingefordert, deren Erreichen regelmäßig geprüft werden soll; zudem sind die Staaten entschlossen, den Weg zu deutlich mehr Finanzmitteln für den Klimaschutz ab 2025 zu bahnen und gleichzeitig die Entwicklungsländer endlich finanziell und technologisch adäquat über Transferleistungen zu unterstützen. Parallel dazu sollen die Finanzströme für fossile Technologien allmählich versiegen – und damit das Ende der Ära von Kohle, Erdöl und Erdgas als Energieträger einläuten.

Klimawandel lässt sich nur global und miteinander lösen

Abseits der Verlautbarungen im Abschlusskommuniqué haben sich zwei Punkte als unstrittig herausgeschält: Zum einen lassen sich die Ziele des Klimaschutzes nur gemeinsam erreichen – also auch unter Einbezug von Staaten wie China und Indien, die im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der Länder erst 2060 bzw. 2070 klimaneutral werden wollen. Ein globales Phänomen wie der Klimawandel lässt sich nämlich nur global lösen – im Miteinander aller Staaten. Daran gekoppelt ist der zweite Punkt, dass die Industrieländer alles Erdenkliche unternehmen müssen, um in einer gemeinsamen Kraftanstrengung den CO2-Ausstoß auch in den Entwicklungsländern (und als solche verstehen sich Indien und China) wesentlich schneller und drastischer als noch vor einigen Jahren geplant zu reduzieren. Insofern ist es positiv zu werten, dass zum Beispiel die USA und China überraschend eine Vereinbarung zur verstärkten Zusammenarbeit beim Klimaschutz geschlossen haben – und Deutschland Südafrika beim Kohleausstieg unterstützen will.

Wichtige Rolle des Finanzwesens

Wie so oft hängt auch beim Klimaschutz vieles am lieben Geld; dementsprechend kommt dem Finanzwesen beim Lösen der Klimakrise eine Vorreiterrolle zu. In diesem Zusammenhang ist Deutschland mit der erfolgreichen Ansiedlung des neuen International Sustainability Standards Board (ISSB) in Frankfurt am Main ein Coup gelungen. Das ISSB soll unter dem Dach der International Financial Reporting Standards Foundation gegründet werden und internationale Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen erarbeiten. Das Gremium soll Anfang 2022 seine Arbeit aufnehmen. Der Finanzplatz Frankfurt wird somit eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft spielen. Auch Tokio könnte noch einen der Nebensitze des ISSB erhalten. Insgesamt ist es ein gutes Zeichen, dass weltweit Sustainable Finance in den Fokus rückt, um einen aktiven Beitrag zu einem erfolgreichen Klimaschutz zu leisten.

Gerhard Wiesheu
Mitglied des Partnerkreises B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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DJW-Vorstandsvorsitzender
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