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Kolumne (Mai 2021)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

Japanische Aktien wieder im Aufwind

Mo 17.05.2021, 13:45 Uhr

Der japanische Aktienindex Nikkei 225 lag im Februar dieses Jahres zum ersten Mal seit 1990 wieder über der Marke von 30.000 Punkten. Damit dauerte es mehr als 30 Jahre, dieses Kursniveau wieder zu erreichen – einmal mehr ein Beleg dafür, was für hohe langfristige Kosten das Platzen der Blase am Aktien- und Immobilienmarkt Anfang der 1990er-Jahre verursacht hat.

Der aktuelle Aufschwung am japanischen Aktienmarkt begann jedoch schon Ende 2012 – als eine Reaktion auf den Politikwechsel in Japan und den damit verbundenen positiven Erwartungen an die Abenomics-Wirtschaftspolitik. Der ehemalige Premierminister Shinzo Abe reformierte tatkräftig die Wirtschaft und berief Haruhiko Kuroda an die Spitze der japanischen Zentralbank, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern eine sehr großzügige Liquiditätspolitik verfolgte. Und der Erfolg konnte sich sehen lassen. So stiegen die Unternehmensgewinne von Ende 2012 bis Ende 2019 um 75 %, brachen allerdings im vergangenen Jahr ein. Für das aktuelle Fiskaljahr rechnen die Analysten aber wieder mit einem kräftigen Anstieg der Gewinne von etwa 25 %.

Seit Februar hat der japanische Aktienmarkt zwar einen Teil seiner Kursgewinne wieder abgegeben, aber die im normalen Schwankungsbereich liegenden Kurskorrekturen geben keinen Anlass zur Beunruhigung. Vielleicht trug zum Rücksetzer die Entscheidung der japanischen Zentralbank bei, ab März ihre Käufe von japanischen Aktien einzustellen. Nippons Notenbanker stellten aber gleichzeitig klar, dass sie weiterhin in turbulenten Marktphasen am Aktienmarkt intervenieren werden. Im Endeffekt hat die japanische Zentralbank somit ein Sicherheitsnetz aufgespannt, das größere Kursverluste in kurzer Zeit vermeiden könnte.

Grundsätzlich scheint der längerfristige Aufwärtstrend am japanischen Aktienmarkt intakt zu sein: Denn Aktienkurse folgen langfristig den Unternehmensgewinnen, die gemäß den Einschätzungen der Analysten gute Perspektiven für weiteres Wachstum haben. Dafür spricht auch, dass die Reformen unter Abenomics die Profitabilität japanischer Unternehmen grundsätzlich verbessert haben. Darüber hinaus profitierte die japanische Volkswirtschaft in der Vergangenheit oft überproportional von einem Aufschwung der Weltwirtschaft. Eine gesunde Volkswirtschaft zeichnet sich aus durch profitable Unternehmen und vor diesem Hintergrund tendenziell steigende Aktienkurse. Insofern ist das Erreichen der Marke von 30.000 Punkten im Februar ein positives Signal.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
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