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Kolumne (März 2026)

Gerhard Wiesheu, DJW Vorstandsvorsitzender

Geopolitik trifft Wirtschaft: Was Deutschland und Japan jetzt verbindet

Do 12.03.2026, 10:03 Uhr

In den vergangenen Jahren hat sich etwas Grundlegendes verschoben: Sicherheit ist nicht mehr nur ein Thema für Außen- und Verteidigungspolitik. Sie ist zur Voraussetzung geworden, damit Gesellschaften funktionieren und Unternehmen überhaupt langfristig planen können. Wer investieren, produzieren, liefern oder digitale Dienste global anbieten will, spürt: Stabilität ist kein Hintergrundrauschen mehr, sondern eng an geopolitische Entwicklungen gekoppelt – ein knapper werdendes Gut in einer komplexer werdenden Welt.

Sicherheit als Voraussetzung für Planung und Wachstum

Diese Verschiebung ist unbequem, aber real. Konflikte in Europas Nachbarschaft, wachsende Spannungen im Indopazifik, Cyberangriffe und hybride Formen der Einflussnahme zeigen, wie eng Politik, Technologie und Wirtschaft inzwischen miteinander verwoben sind.

Die Grenze zwischen „militärisch“ und „zivil“ verläuft nicht mehr entlang klarer Zuständigkeiten. Sie verläuft durch Lieferketten, Datenströme, Energieversorgung und Kommunikationsnetze, also mitten durch die Lebensadern unserer Volkswirtschaften. Sicherheit ist nicht eindimensional. Sie ist ein Zusammenspiel von Wirtschaft, Technologie, Industrie und Staat und damit ein Feld, in dem Deutschland und Japan viel voneinander lernen können.

Deutschland und Japan: Wertepartnerschaft in unsicheren Zeiten

Auch bei diesem Thema wird die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan umso wichtiger. Beide Länder sind demokratische Wertepartner, beide sind hochgradig vernetzte Industrienationen, beide sind abhängig von offenen Handelswegen und stabilen Regeln. In einer Zeit, in der Machtpolitik wieder lauter geworden ist, ist dieses gemeinsame Fundament mehr als eine nette Gemeinsamkeit auf dem Papier: Es ist die zwingende Voraussetzung dafür, überhaupt vertrauensvoll über sensible Themen sprechen zu können.

Resilienzpolitik ist Standortpolitik

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dabei ein Punkt für beide Länder zentral: Sicherheits- und Resilienzpolitik ist zunehmend Standortpolitik. Geopolitische Risiken wirken unmittelbar auf Geschäftsmodelle, und die Liste von Beispielen aus der jüngeren Vergangenheit ist lang.

Gleichzeitig entstehen dort, wo Risiken klar benannt werden, auch Innovationsräume: in der Cyberabwehr, in der Absicherung kritischer Infrastruktur, in neuer Sensorik, Kommunikation und in Technologien, die Transparenz und Reaktionsfähigkeit erhöhen. Verteidigungsausgaben sind damit nicht nur ein Kostenfaktor. Sie können, richtig eingebettet, auch Impulsgeber für technologische Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit sein – schon weil Investitionen und Innovation eine stabile Ordnung voraussetzen.

Genau in diesem Spannungsfeld setzt unser DJW Symposium 2026 an. Nicht mit dem Anspruch, schnelle Antworten zu liefern, sondern um eine belastbare Grundlage für Dialog zu schaffen: Was bedeutet „Sicherheit“ heute konkret? Welche Rolle spielen Industrie und Technologie – von etablierten Akteuren bis zu jungen Unternehmen mit neuen Ansätzen? Und wie lassen sich Zusammenarbeit und Verantwortung so gestalten, dass sie mit unseren demokratischen Prinzipien kompatibel bleiben?

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
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