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Kolumne (März 2021)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

10 Jahre Fukushima – Nachhaltige Energiegewinnung und das ethische Dilemma der Atomkraft

Do 11.03.2021, 17:57 Uhr

Im März jährt sich zum zehnten Mal die Tsunami-Katastrophe in Japan und der damit verbundene Atomunfall in Fukushima – sowie das Gedenken an die vielen Opfer. Als Reaktion auf das Unglück wurden damals die Risiken der Kernkraft in Japan, aber auch in Deutschland völlig neu bewertet. In Japan ist seitdem der größte Teil der Atomkraftwerke weitestgehend abgeschaltet worden, und in Deutschland beschloss der Bundestag nur drei Monate nach dem Unfall ein Gesetz, mit dem der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 geregelt wird. 

Ein grundsätzlicher Verzicht auf Atomkraft könnte jedoch erheblich erschweren, das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, wozu sich beide Länder verpflichtet haben. Die Politik muss also hier eine schwierige Abwägung leisten, wobei die großen potenziellen Schäden einer zu starken Erderwärmung zunehmend stärker in den Fokus zu geraten scheinen, was der Atomkraft in letzter Zeit eine gewisse Renaissance ermöglicht hatDenn Strom allein auf Basis der beiden beherrschenden alternativen Energien, Solar und Wind, zu erzeugen kann nur mithilfe ausreichend großer Speicherkapazitäten gelingen, die aber noch nicht zur Verfügung stehen. Vielversprechendes Zukunftspotenzial haben hierbei neben Batterie- auch Wasserstofftechnologien. Schon seit 2017 verfolgt Japan eine nationale Wasserstoffstrategie: Bis 2030 will die Regierung in Tokio in Zusammenarbeit mit der Industrie einen Weltmarkt für den innovativen Brennstoff und dessen anwendungsnahe Technologien schaffen. Bereits 2017 war es auch, als wir das Thema Wasserstoff als Energieträger der Zukunft mit unserem DJW-Symposium aufgriffen und mit Experten aus beiden Ländern diskutierten. 

Deutsche und japanische Unternehmen stehen bereits seit 2019 im Rahmen der deutsch-japanischen Energiepartnerschaft zu all diesen Themen im Austausch, die beide Wirtschaftsministerien initiiert habenDarüber hinaus bieten Offshore-Windkraftwerke eine große Chance für Kooperationen zwischen Japan und Europa, das zu den führenden Windkraftanbietern der Welt gehört. Zwar verhindert der steil abfallende Meeresgrund in Japan den großflächigen Einsatz von festverankerten Anlagen, jedoch könnten schwimmende Windräder entlang Japans langer Küstenlinie schon bald zu einer massentauglichen Alternative zu anderen Energiegewinnungsmethoden avancierenEinzelne Projekte dieser Art sind in Japan bereits seit 2012 realisiert worden. 

All dies zeigt deutlich: Die Menschheit steht vor ihrer bisher größten Herausforderung, die sich nur durch eine enge Zusammenarbeit aller meistern lässt. Japan und Deutschland können hierbei einen wichtigen gemeinsamen Beitrag leisten. 

Gerhard Wiesheu
Mitglied des Partnerkreises B. Metzler seel. Sohn & Co. Holding AG 
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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DJW-Vorstandsvorsitzender
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