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Kolumne (Juni 2023)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

G7-Gipfel in Japan: Zwischen Krieg, Abhängigkeiten und Klimawandel

Mi 14.06.2023, 16:51 Uhr

Der G7-Gipfel im Mai fand bewusst auf historischem Boden statt: nämlich in Hiroshima. Die japanische Stadt wurde durch den Abwurf einer Atombombe im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört. Bis heute ist Hiroshima ein Mahnmal und steht eindrücklich für den Horror eines Atomkriegs. Mit dem Krieg in der Ukraine und den wiederholten Drohungen Russlands ist die Gefahr eines Atomkriegs leider wieder erschreckend aktuell geworden. Für die G7-Staaten geht es vor allem darum, einerseits die Ukraine im Kampf um ihre Souveränität zu unterstützen, und andererseits eine weitere Eskalation zu verhindern. Die große Geschlossenheit, mit der die G7-Staaten dabei vorgehen, und der wichtige Beitrag Japans zur Unterstützung der Ukraine, fielen bei diesem Gipfel besonders ins Auge.

Abhängigkeiten zwischen Ost und West

China war ein weiteres wichtiges Thema des G7-Gipfels. Die signifikanten gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen China und dem Westen sind unbestritten. So ist China vom Export als Konjunkturstütze abhängig – im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von etwa 3,6 Billionen USD exportiert – nachdem im Jahr 2020 noch 2,6 Billionen USD zu Buche standen. Dagegen sind die demokratischen Länder von China abhängig im Bereich der Energiewende, da die gesamte Wertschöpfungskette für Solaranlagen und für Batterietechnik aus der Volksrepublik stammt. Die beiden Abhängigkeiten zeigen interessanterweise, dass derzeit eigentlich genau das Gegenteil der vielfach postulierten Deglobalisierung zu beobachten ist.

Japan wird vor dieser Gemengelage zunehmend als ein potenzielles, ausgleichendes Gegengewicht in Asien zu China gesehen. Tatsächlich rührt die positive Wertentwicklung japanischer Aktien in diesem Jahr bereits unter anderem daher, dass Finanzmarktteilnehmer mit positiven Auswirkungen der geopolitischen Verschiebungen auf die japanische Wirtschaft rechnen. Die Halbleiterriesen Samsung und TSMC haben sich beispielsweise schon entschieden, neue Chip-Fabriken in Japan zu bauen. Europa und die USA dürften eine politische wie wirtschaftliche Stärkung Japans in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter unterstützen.  

Bekämpfung des Klimawandels

Neben den geopolitischen Risiken und Herausforderungen war der Klimawandel natürlich das weitere entscheidende Thema des Gipfels: Die G7 bekennen sich zu dem Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Neue Rekordtemperaturen im atlantischen Ozean und Waldbrände in Kanada in diesem Jahr zeigen erneut die Dringlichkeit zum entschlossenen und schnellen Handeln auf. Der Klimawandel kann dabei nur mit einer weltweiten Kraftanstrengung gestoppt werden. Hierbei kommt den G7-Staaten eine Leitbildfunktion zu. Es kommt also auch hier auf Geschlossenheit und enge Kooperation an.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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DJW-Vorstandsvorsitzender
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