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Kolumne (Juli 2016)

Gerhard Wiesheu, DJW-Vorstandsvorsitzender

Das 42. Treffen der G7-Staaten in Japan

So 17.07.2016, 10:46 Uhr

Das 42. Treffen der G7-Staaten in Japan auf Ise-Shima am 26. und 27. Mai fand statt vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise in Europa, den weltweiten geopolitischen Spannungen und eines nur schwachen Wachstums der Weltwirtschaft. Insgesamt zeigten sich die Regierungschefs der G7-Staaten entschlossen, gemeinsam und in enger Abstimmung, die großen globalen Herausforderungen anzugehen. Ein erfreuliches Ergebnis des G7-Gipfels ist, dass sich die Europäische Union und Japan dazu verpflichteten, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen noch in diesem Jahr abzuschließen. Wirtschaftspolitisch konnten sich die G7-Staaten zwar auf keine gemeinsame Linie einigen, verpflichteten sich jedoch, das Wirtschaftswachstum im Rahmen der jeweils eigenen Möglichkeiten zu stimulieren. Vor diesem Hintergrund gelang es Japans Premierminister Shinzo Abe nicht, die anderen Mitgliedsländer von der Notwendigkeit eines globalen staatlichen Konjunkturprogramms zu überzeugen. Das Wachstum der japanischen Wirtschaft hat sich seit der Mehrwertsteuererhöhung im April 2014 merklich verlangsamt und seitdem von diesem Dämpfer nicht erholt. Daher muss Abe ohne internationale Unterstützung versuchen, die japanische Wirtschaft mit einem staatlichen Konjunkturpaket von voraussichtlich 1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Während Deutschland der bisherigen expansiven Fiskalund Geldpolitik Abes abwartend gegenübersteht, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis die internationale Kritik an der deutschen Sparpolitik und am hohen Leistungsbilanzüberschuss wieder zunehmen wird, der 2015 bei mehr als 8 % des BIP lag. Deutschland exportierte damit etwa 250 Mrd. EUR an Ersparnissen ins Ausland, weil sie offensichtlich im Inland nicht für Investitionen benötigt werden. So liegen die Ausgaben des Staates für Investitionen unter den Abschreibungen, was einen Verfall der deutschen Infrastruktur zur Folge hat. Zudem scheinen die deutschen Unternehmen keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten im Inland zu finden. Deutschland wird früher oder später die Sparpolitik überdenken und für ein besseres Investitionsklima sorgen müssen.

Investitionsmöglichkeiten, Wissenstransfer und eine engere Vernetzung zwischen Japan und Deutschland in puncto Startups standen im Fokus des diesjährigen Symposiums des DJW in Berlin: Rund 250 Teilnehmer diskutierten über „Entrepreneurship and Growth. Startups and their Ecosystems in Japan and Germany“, etwa 20 Gründer, Investoren und Politiker tauschten ihre Erfahrungen mit dem Publikum aus. Erstes konkretes Ergebnis: Eine „DJW Startup Working Group“ wird in Kürze ihre Arbeit aufnehmen, um die Startup- Szenen in Deutschland und Japan noch besser zu vernetzen. Und das nächste Startup-Symposium des DJW steht schon auf der Agenda: am 4. Oktober 2016 im Industrie-Club in Tokyo.

Gerhard Wiesheu
Partner,  Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA
Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
Partner, Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA
Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
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