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Kolumne (Januar 2026)

Gerhard Wiesheu, DJW Vorstandsvorsitzender

Ausblick 2026: Was Deutschland und Japan jetzt wirtschaftlich verbindet

Do 15.01.2026, 09:30 Uhr

Der Ausblick auf 2026 ist geprägt von zwei gleichzeitigen Bewegungen: einer erhöhten geopolitischen Unsicherheit – und einem wachsenden Investitions- und Transformationsdruck, der in Deutschland wie in Japan konkrete Umsetzung erfordert. In diesem Spannungsfeld entscheidet sich Wettbewerbsfähigkeit weniger durch Ankündigungen als durch realisierte Projekte und produktivitätssteigernde Innovationen.

Deutschland 2026: Wachstumschancen – aber nur mit konsequenter Umsetzung

Die zentrale deutsche Frage lautet 2026 nicht „ob“ investiert wird, sondern: wie schnell und wie wirksam. Investitionsprogramme entfalten ihre Wirkung erst über Planung, Genehmigung, Vergabe, Bau und Betrieb. Deshalb ist die Umsetzung der Engpass. Bürokratieabbau, beschleunigte Verfahren und verlässliche Priorisierung entscheiden darüber, ob Investitionspolitik Vertrauen schafft. Die Ausgabenprogramme für Infrastruktur und Verteidigung dürften echte Wachstumsimpulse geben, die auch auf Europa ausstrahlen.

Japan 2026: Strukturwandel, Produktivität und industriegetriebene Innovation

Japan wird im internationalen Diskurs häufig über ältere Narrative betrachtet. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren marktwirtschaftliche Reformen vorangetrieben – etwa bei Regeln guter Unternehmensführung und dem Fokus auf Aktionärsinteressen. Gleichzeitig haben sich durch die lange Deflationsphase wettbewerbsfähige Arbeitskosten entwickelt. Das „Corporate Japan“ hat sich spürbar verändert.

Für 2026 ist aus meiner Sicht besonders wichtig, wie Japan mit dem demografischen Wandel umgeht. Viele Investoren verbinden schrumpfende Bevölkerung reflexartig mit schwächerem Wachstum. Japan zeigt, dass diese Gleichung nicht zwingend aufgehen muss: Automatisierung ist weit fortgeschritten, die Roboterdichte ist hoch, und der Einsatz von KI in Produktionsprozessen wächst schnell.

Bedeutung für die deutsch-japanischen Beziehungen

Für die deutsch-japanische Wirtschaft ergeben sich daraus 2026 klare Schwerpunktfelder. Der größte Hebel der KI liegt mittelfristig weniger in Konsumenten-Anwendungen als in Unternehmensanwendungen – etwa in Industrie, Forschung und Medizin. Gerade Deutschland und Japan verfügen hier über eine starke industrielle Basis. Wenn KI mit Produkt- und Prozess-Know-how verbunden wird, kann das Effizienzgewinne, höheres Potenzialwachstum und bessere Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen.

Dabei geht es weniger um „die“ eine große Plattform, sondern um spezialisierte Lösungen und deren Integration in reale Produktions- und Wertschöpfungsprozesse. Für die deutsch-japanische Gemeinschaft ist das ein besonders anschlussfähiges Feld, weil beide Länder über starke industrielle Ökosysteme, hohe Qualitätsstandards und ausgeprägte Ingenieurskompetenz verfügen.

Verlässlichkeit und Kontinuität als Wettbewerbsfaktor

Ein Aspekt, der im deutsch-japanischen Kontext besonders relevant bleibt, ist die Bedeutung von Vertrauen. In Japan spielen Familie und Kontinuität in der Geschäftswelt traditionell eine wichtige Rolle. Kunden erwarten Verlässlichkeit, ein nachvollziehbares Wertefundament und langfristige Orientierung. Diese Erwartung gewinnt 2026 eher an Bedeutung – gerade in einer Welt, die sich schnell verändert.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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