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Kolumne (Dezember 2025)

Gerhard Wiesheu, DJW Vorstandsvorsitzender

Jahresausblick 2026: Deutschland und Japan als Stabilitätsanker und Zukunftsraum

Mo 15.12.2025, 00:00 Uhr

Das Jahr 2025 hat gezeigt, wie schmal der Grat zwischen wirtschaftlicher Erholung und strukturellen Risiken geworden ist. Auch 2026 gilt: Viele Volkswirtschaften haben Stabilität zurückgewonnen, ohne jedoch die grundlegenden Herausforderungen hinter sich zu lassen. Die handelspolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre lassen nach, doch geopolitische Fragmentierung, technologische Machtverschiebungen und hohe staatliche Verschuldung sorgen weiterhin für ein anspruchsvolles Marktumfeld. Für Staaten, Branchen und Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Differenzierung wird wichtiger. Regionen mit Stabilität, Reformbereitschaft und verlässlichen Institutionen gewinnen an strategischem Gewicht. Genau hier rückt die Partnerschaft zwischen Deutschland und Japan stärker in den Fokus.

Volatile Märkte, neue Allokationen

Auch an den Kapitalmärkten bleibt das Umfeld herausfordernd, aber chancenreich. Die hohe Konzentration auf wenige KI-Titel, mögliche Bewertungskorrekturen und ein langsamerer Zinssenkungszyklus der Zentralbanken in den USA und in Europa erhöhen die Volatilität. Gleichzeitig entsteht daraus Raum für Märkte, die lange unterschätzt wurden. Japan ist ein gutes Beispiel dafür. Der Markt verbindet technologische Stärke mit vergleichsweise moderaten Bewertungen, einer hohen Innovationsdichte und einem klaren Reformkurs. In einem volatileren globalen Umfeld wird diese Kombination zunehmend geschätzt.

Vor allem makroökonomisch hat Japan einen Wendepunkt erreicht. Das Wachstum wird heute nicht mehr primär exportgetrieben, sondern zunehmend von der Binnenwirtschaft getragen. Der private Konsum gewinnt an Dynamik, und Investitionen in Automatisierung, Dekarbonisierung und KI nehmen zu. Die Inflation hat sich in einem Bereich von zwei bis drei Prozent etabliert – ein neues Normal für Japan. Parallel dazu normalisiert die Bank of Japan ihre Geldpolitik behutsam.

Deutsch-japanische Partnerschaften als Zukunftsmodell

Hinzu kommt die geopolitische Dimension. Japan entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Drehscheibe im Indo-Pazifik – wirtschaftlich, technologisch und sicherheitspolitisch. Die Kombination aus stabilen Institutionen, verlässlichem Rechtsrahmen, moderner Infrastruktur und enger sicherheitspolitischer Einbindung in westliche Bündnisse macht das Land zu einem Anker für Kapital und Wertschöpfung.

Das zeigt sich auch im M&A-Markt: Japan zählt heute zu den größten Transaktionsmärkten Asiens. Japanische Käufer agieren dabei langfristig, partnerschaftlich und finanziell solide – auch wenn kulturelle und regulatorische Besonderheiten weiterhin Aufmerksamkeit und Verständnis erfordern.

Gerade hier sehe ich eine große Chance für die deutsch-japanischen Wirtschaftsbeziehungen. Als Vorsitzender des Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreises erlebe ich täglich, wie komplementär unsere Volkswirtschaften sind: deutsche industrielle Stärke und Ingenieurskunst treffen auf japanische Präzision, Technologie und Langfristdenken. In einer Welt wachsender Unsicherheit sind solche verlässlichen Partnerschaften ein strategischer Vorteil. 2026 kann ein Jahr werden, in dem die deutsche und japanische Wirtschaft ihre Zusammenarbeit weiter vertiefen – durch Investitionen, gemeinsame Innovationen und langfristige Allianzen. Japan bietet dafür ein stabiles Fundament. Es liegt an uns, diese Chancen entschlossen zu nutzen.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
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DJW-Vorstandsvorsitzender
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