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Kolumne (April 2026)

Gerhard Wiesheu, DJW Vorstandsvorsitzender

Europa und Japan in einer neuen Wirtschaftsordnung?

Mi 15.04.2026, 02:17 Uhr

Die internationale Wirtschafts- und Währungsordnung ordnet sich neu. Lange war der US-Dollar der unangefochtene Anker des globalen Finanzsystems. Daran hat sich im Grundsatz nichts geändert. Und doch verdichten sich die Anzeichen, dass die Weltwirtschaft auf eine Ordnung zusteuert, die regionaler, politischer und strategisch umkämpfter sein wird als in den vergangenen Jahrzehnten.

Wenn Währungsfragen zu Standortfragen werden

Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und Japan ist das keine abstrakte Entwicklung. Währungsverschiebungen, geopolitische Spannungen und neue technologische Infrastrukturen wirken längst bis in unternehmerische Entscheidungen hinein: auf Investitionen, Finanzierung, Lieferketten und strategische Partnerschaften. Währungsfragen sind damit immer auch Standortfragen.

Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht vor allem eines: Diversifikation. Nicht nur in Portfolios, sondern auch in Geschäftsmodellen, Technologien und internationalen Beziehungen. Genau darin liegt eine der entscheidenden Antworten auf eine Welt, die volatiler, fragmentierter und zugleich vernetzter wird.

Vieles spricht dafür, dass die USA auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle im Weltfinanzsystem spielen werden. Ebenso spricht aber manches dafür, dass ihre ökonomische und politische Dominanz relativ an Gewicht verliert. Daraus ergibt sich kein abrupter Bruch, wohl aber eine langfristige Verschiebung. Und genau diese Verschiebung zwingt den Westen dazu, seine eigene wirtschaftliche Handlungsfähigkeit neu zu vermessen.

Denn es geht längst nicht mehr nur um Geldpolitik im engeren Sinne. Es geht um monetäre Souveränität, um resiliente Kapitalmärkte und um die Frage, wie belastbar Europas wirtschaftliche Infrastruktur in einer Welt ist, in der geopolitische Interessen immer unmittelbarer in ökonomische Prozesse hineinwirken.

Warum Japan deshalb im Fokus steht

Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Zusammenarbeit mit Japan weiter an Bedeutung. Deutschland und Japan verbindet mehr, als es auf den ersten Blick scheinen mag: ein starkes industrielles Fundament, ein hoher technologischer Anspruch, eine ausgeprägte Exportorientierung und ein Verständnis von unternehmerischer Verantwortung, das eher auf Langfristigkeit als auf kurzfristige Effekte zielt.

Und wo all das zusammenkommt, entstehen Verbindungen, die weit über einzelne Transaktionen hinausreichen. Es entstehen Partnerschaften, die Innovation, Resilienz und nachhaltiges Wachstum fördern können.

Was folgt daraus?

Die entscheidende Frage der kommenden Jahre wird daher nicht allein sein, welche Währung stärker oder schwächer wird. Entscheidend ist vielmehr, wie Europa, mitsamt Deutschland, und Japan ihre wirtschaftliche Handlungsfähigkeit in einem volatileren Umfeld organisieren.

Dazu gehören starke Institutionen, offene Märkte, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und der Wille, technologische Entwicklungen frühzeitig strategisch zu nutzen. In einer multipolaren Welt wird die Zusammenarbeit zwischen verlässlichen Partnern zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Diese Chance sollten wir nutzen.

Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
http://www.djw.de
Gerhard Wiesheu
Vorstandssprecher, B. Metzler seel. Sohn & Co. AG
DJW-Vorstandsvorsitzender
info@djw.de
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