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Deutsch-Japanischer Energiewenderat schließt zweite Forschungsphase ab

Hinweis unseres Mitglieds ECOS Consult

Empfehlungen für sichere Energieversorgung bei wachsenden Anteilen erneuerbarer Energien und Corona-Konjunkturprogramme

Di 25.08.2020, 12:45 Uhr

Der Zusammenarbeit und dem Wissenstransfer zwischen Hochtechnologieländern wie Japan und Deutschland kommt gerade in Zeiten von Corona und weiter voranschreitendem Klimawandel eine besonders große Bedeutung zu. Die deutschen und japanischen Mitglieder des German-Japanese Energy Transition Council (GJETC) haben in den vergangenen Monaten intensiv and aktuellen Fragestellungen der zukünftigen Energieversorgung geforscht und zehn dringende Empfehlungen an die Politik formuliert. In ihrem Abschlussbericht fordern die Ratsmitglieder unter anderem die Energie- und Klimaziele zu verschärfen sowie die Energieeffizienz voranzutreiben. In einem gemeinsamen Statement rufen sie außerdem dazu auf, den Kampf gegen die Auswirkungen des Coronavirus mit dem Kampf gegen die Klimaerhitzung zu verbinden. Denn sowohl die Covid-19-Krise als auch der Klimaschutz benötigen ein unverzügliches, weltweites und weitsichtiges Handeln.

Der Deutsch-Japanische Kooperationsrat zur Energiewende ist ein internationales Modellprojekt zur Stärkung des Wissensaustauschs über Technologien, Politik und die Auswirkungen der Energiewende. Der im Frühjahr 2016 gemeinsam von Wuppertal Institut, ECOS, hennicke.consult und dem Institute of Energy Economics Japan (IEEJ/Tokyo) initiierte Rat führte ein umfangreiches Studienprogramm zu Kernthemen der Energiewende durch, organisierte Stakeholder-Dialoge mit der Industrie und der Zivilgesellschaft und veröffentlichte bereits vier Studien, eine Reihe strategischer Inputpapiere und einen Bericht mit Schlüsselempfehlungen für eine erfolgreiche Energiewende im März 2018. Unterstützt wurde die Arbeit durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Stiftung Mercator, das Auswärtige Amt und das Japanese Ministry of Economy, Trade and Industry (METI).

In den vergangenen vier Jahren kam der Rat halbjährlich abwechselnd in Tokyo und im Japanisch-Deutschen Zentrum (JDZB) in Berlin zu intensiven Sitzungen zusammen, um über Systeme, Technologien und Politiken der Energiewende in Deutschland und Japan zu diskutieren und neue, sichere und effiziente Wege zur Umsetzung der Energiewende in beiden Ländern zu entwickeln. In einem umfassenden Studienprogramm wurden wissenschaftliche Analysen zu aktuellen energiepolitischen und -wirtschaftlichen Fragen mit hoher Relevanz für beide Länder bearbeitet. Die Studien setzen sich unter anderem mit den sozio-kulturellen Aspekten der Energiewende sowie mit Analysen für langfristige Energieszenarien auseinander. Auch Themen wie das Design eines zukünftigen Strommarkts, die Entwicklung des Energiedienstleistungsmarkts und die Analyse notwendiger technischer Systeme für das Gelingen der Energiewende wurden im Rahmen des Studienprogramms bearbeitet.

Obwohl am Ende der zweiten Arbeitsphase des Rates der persönliche Austausch durch die Reisebeschränkungen stark beeinträchtigt war, konnte wie geplant der Abschlussbericht verabschiedet werden. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Um Klimaneutralität möglichst bis zur Jahrhundertmitte zu erreichen, müssen Deutschland und Japan ihre bisher gesteckten Ziele überprüfen, ihr Ambitionsniveau für verstärkten Klimaschutz steigern, technologische und gesellschaftliche Innovationen vorantreiben sowie die Verbindlichkeit der gesteckten Ziele erhöhen. Dabei gilt für beide Länder, dass Klimaschutz inzwischen von der Politik weniger als Kostenfaktor, sondern vor allem als Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft gesehen wird.
  • Wie auch die Internationale Energieagentur (IEA) sieht der GJETC in der Verbesserung der Energieeffizienz die schnellste und kostengünstigste Maßnahme für ein nachhaltiges Energiesystem und der Eindämmung des Klimawandels. Hier steht vor allem die Politik in der Pflicht, mit förderlichen Rahmenbedingungen eine beschleunigte Erreichung ambitionierter Energieeinsparziele zu unterstützen. Der GJETC empfiehlt dafür die Einrichtung einer in den politischen Prozess integrierten neuen Institution mit verantwortlichem Mandat für die Erreichung der Energiesparziele. Der Fokus liegt dabei auf der Forschung, Entwicklung und Evaluierung von Energieeffizienzprogrammen.
  • Ebenso muss der Ausbau und die Förderung der Erneuerbaren Energien in beiden Ländern gestärkt werden. In Deutschland wurden zwar 2019 rund 42 Prozent des Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien bereitgestellt, doch ist der Ausbau der Onshore-Windenergie ins Stocken geraten und auch bei der Photovoltaik droht eine Begrenzung des Ausbaus. Japan bezieht den Großteil des Stroms durch Erneuerbaren Energie aus der Solarenergie, über die Voraussetzungen der Erschließung größerer Potenziale bei Windkraft – offshore wie onshore – wird lebhaft diskutiert. Beide Länder können vom Wissensaustausch profitieren, weil für beide ein wachsender Anteil fluktuierender Einspeisung von Strom aus Sonne und Wind unabdingbar ist.

Darauf aufbauend formuliert der GJETC in dem Bericht weitere Empfehlungen zum Aufbau eines auf Wasserstoff basierten Energiesystems, für nachhaltige Mobilität und für die Nutzung der Digitalisierung sowie für die Einrichtung geeigneter Monitoring-Systeme zur Überprüfung und Anpassung der langfristigen Klimaziele.

Die bisherigen Studienergebnisse und Empfehlungen des Rates sowie der Abschlussbericht der zweiten Phase sind unter www.gjetc.org zu finden. Die Expertise des Rates soll in Zukunft weiterhin die bilaterale Kooperation beispielsweise im Rahmen der Deutsch-Japanischen Energiepartnerschaft unterstützen.

Wilhelm Meemken
- Geschäftsführer -
ECOS Consult GmbH
Wilhelm Meemken
- Geschäftsführer -
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