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Dekarbonisierung des Verkehrs

Wilhelm Meemken, Gründer & Geschäftsführer von ECOS Consult und Vorstandsmitglied des DJW

Eine gemeinsame Herausforderung für Deutschland und Japan

Mi 30.05.2018, 10:38 Uhr

Zunehmender Lieferverkehr und „dicke“ Luft in den Städten sind in Deutschland wie in Japan ein Thema. Der Transportsektor ist hier wie dort für etwa ein Fünftel der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Ohne „saubere“ Antriebstechnologien und innovative Konzepte für den Individualverkehr, ÖPNV und Güterverkehr rücken die Klimaschutzziele von Paris in unerreichbare Ferne. Doch wie kann die „Verkehrswende“ gelingen? Darüber diskutierten Experten aus Japan und Deutschland im April auf gleich zwei Veranstaltungen: dem Deutsch-Japanischen Umwelt- und Energiedialogforum in Berlin und dem Deutsch-Japanischen Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe.

Deutlich wurde hier: Elektrifizierung ist eine Möglichkeit – doch sie greift zu kurz, wenn der Strom aus der Ladestation in der Hauptsache aus fossilen Quellen stammt. Auch bedeutet es eine große Herausforderung gerade für städtische Stromnetze, wenn Fahrzeughalter beispielsweise abends alle gleichzeitig Strom für ihre Elektroautos aus dem Netz ziehen. Um mehr „grüne“ Energie in den „Tank“ zu bekommen und zugleich das Stromnetz nicht zu überlasten, kann Wasserstoff eine entscheidende Rolle spielen. Das war für mich das Fazit aus den Diskussionsrunden mit Experten unter anderem mit Toyota, Nissan, TEPCO, Asahi Kasei, Chiyoda, thyssenkrupp und Siemens, das ich mitgenommen habe.  

Wasserstoff als Option

Dass es nicht um ein „entweder-oder“ geht machte Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff und Brennstoffzelle, hier deutlich: Elektromobilität und Brennstoffzellenfahrzeuge müssen gemeinsam weiterentwickelt werden, eine Fixierung auf eine Technologie führt zu keiner Lösung für das Gesamtsystem. Die verfügbaren alternativen Antriebe entfalten ihre Vorteile in jeweiligen Einsatzbereichen: z.B. Brennstoffzellenfahrzeuge für lange Distanzen und Heavy-Duty-Transporte, reine Elektrofahrzeuge für kurze Distanzen und Lieferverkehr innerhalb von Städten. Auch für den Antrieb von Zügen und Schiffen ist Wasserstoff eine interessante Option.

Doch auch der Wasserstoff ist nicht per se „grün“ – hier klafft die Definition in Japan und Deutschland auseinander. Deutschland setzt ganz klar auf Wasserstoff, der per Elektrolyse mit Hilfe von Wind- oder Solarstrom hergestellt wird - insbesondere in Zeiten, wenn dieser im Überfluss vorhanden und zuweilen gar nicht mehr ins Netz eingespeist werden kann.

Japan hingegen setzt derzeit vor allem auf den Aufbau einer Wasserstoff-Lieferkette aus dem Ausland: in Australien oder Dubai soll Wasserstoff mithilfe von dortigen Braunkohlekraftwerken in Kombination mit CCS (carbon capture and storage)-Technologie hergestellt, verflüssigt und per Schiff nach Japan transportiert werden. 

E-Highway, Brennstoffzellenzüge und E-Schiffe

Ein besonders lohnendes Feld für eine intensivierte Zusammenarbeit scheint mir der Güterverkehr zu sein. In einem bilateral besetzten Roundtable im Anschluss an das Deutsch-Japanische Umwelt- und Energiedialogforum zu diesem Thema wurden die Unterschiede, aber auch die gemeinsamen Herausforderungen deutlich. Während beispielsweise durch die Topografie bedingt in Deutschland Güter auf den Flüssen transportiert werden, gibt es in Japan eine ausgeprägte Küstenschifffahrt. In beiden Fällen können Frachtschiffe mit Brennstoffzellantrieb oder elektrisch betriebene Fähren eine Option sein. Erste Pilotprojekte gibt es dazu bereits sowohl im Hafen von Berlin als auch in Tokyo, die beide unter den großen Umweltbelastungen durch Schiffe mit Dieselantrieb leiden. Für den Gütertransport auf der Straße wiederum sind Oberleitungssysteme wie der von Siemens entwickelte „E-Highway“ eine Möglichkeit, für nicht-elektrifizierte Bahnstrecken die Brennstoffzellenzüge von ALSTOM.

Die Technologien sind noch relativ neu. Internationale Zusammenarbeit und länderübergreifende gemeinsame Technologieentwicklung sind nötig, um auch im Verkehrsbereich einen großen Schritt in Richtung Dekarbonisierung weiter zu kommen.

Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe / ハノーバーメッセにおける日独経済フォーラム Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe / ハノーバーメッセにおける日独経済フォーラム
Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe - Diskussion / ハノーバーメッセにおける日独経済フォーラムでのディスカッション Deutsch-Japanisches Wirtschaftsforum auf der Hannover Messe - Diskussion / ハノーバーメッセにおける日独経済フォーラムでのディスカッション
Wilhelm Meemken
Gründer und Geschäftsführer von ECOS Consult 
Vorstandsmitglied, Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis (DJW)
info@ecos.eu
www.ecos.eu
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